Taubblind

Taubblindheit

Jenseits von Hören und Sehen


Da vergeht einem Hören und Sehen, sagt der Volksmund und meint Überforderung, Ohnmacht, Hilflosigkeit. Detlef Stettin aus Neustrelitz in Mecklenburg kennt diese Gefühle. Er kam gehörlos zur Welt und hat später auch seinen Sehsinn fast gänzlich verloren. Nun ist er taubblind. Aber nicht im Alltag fühlt er sich hilflos, nicht in seiner Wohnung, beim Essenkochen, beim Spaziergang oder bei der Arbeit. Das Alleinsein ist es, dem er sich ausgeliefert fühlt. Detlef Stettin ist ein geselliger Typ, er lacht gern, liebt Wanderurlaube in den Alpen und ist geistig vollkommen klar. Aber seine Erblindung raubte ihm nicht nur das Sehen, sondern auch viele soziale Kontakte. Kommunikation wurde immer schwieriger, manchmal unmöglich. Denn eine richtige Unterhaltung mit ihm setzt Kenntnisse in taktiler Gebärdensprache oder dem sogenannten Lorm-Alphabet voraus, das in die Handinnenfläche getippt wird.

Zu seiner 18-jährigen Tochter hat er kaum Kontakt, von seiner Frau lebt er getrennt. Detlef Stettin ist nur seine 91-jährige Mutter geblieben, die er an Wochenenden manchmal besucht. Er ist einsam, viel einsamer, als es sich sehende und hörende Menschen vorstellen können. Aber sich zu verkriechen – das ist seine Sache nicht.

Seit 2018 begleite ich Detlef Stettin immer wieder mit der Kamera. Es ist ein freies Fotoprojekt. Die folgenden Bilder sollen einen ersten Eindruck geben.

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