Seilschaften am Großglockner

SEILSCHAFTEN

am Großglockner

Acht Portraits

Vier Uhr in der Früh. Draußen ist es stockdunkel, nur die Sterne leuchten über den noch unsichtbaren Berggipfeln des Nationalparks Hohe Tauern. Erst in einer Stunde beginnt das Frühstück, doch in den Matratzenlagern der Stüdlhütte (2.801 Meter) wird es schon geschäftig. Stirnlampen werfen Lichtkegel durch die dunklen Räume, Rucksäcke werden hin- und hergeschoben, Karabinerhaken und Eispickel klappern auf dem Boden. Spannung liegt in der Luft. Sie alle, die hier übernachten, Frauen und Männer, Junge und Alte, Österreicher, Tschechen, Italiener, Polen, Franzosen, Deutsche und Russen haben ein gemeinsames Ziel: den Gipfel des Großglockner, mit 3.798 Metern Österreichs höchster Berg. Weiterlesen...

Die Stüdlhütte (2.801 Meter) am Fuße des Großglockners

Der Moment des Aufbruchs

An schönen Sommertagen sind es bis zu 100 Bergsteigerinnen und Bergsteiger, die allein von der Stüdlhütte auf der Osttiroler Seite des Großglockners aufbrechen. Anfang August 2018 habe ich drei Tage auf der Hütte verbracht und acht dieser Seilschaften portraitiert. Die Fotos sind auf dem Plateau vor dem Eingang jeweils im Moment des Aufbruchs entstanden, zwischen 5.20 Uhr und 6.30 Uhr. Die fotografierten Frauen und Männer sind zwischen 16 und 64 Jahre alt und kommen aus verschiedenen Ländern. Was treibt sie an? Was geht ihnen angesichts dieses mächtigen Berges durch den Kopf? Wie fühlen sie sich im Moment des Aufbruchs? Das lasse ich sie selbst erzählen, in Form kurzer Gesprächsprotokolle (siehe Bildergalerien).

Mehrere Anläufe

Nicht alle Großglockner-Anwärter erreichen den Gipfel beim ersten Mal, einige brauchen mehrere Anläufe. Weil ihnen die Höhe zu schaffen macht, die Kletterei zu anspruchsvoll wird oder sich das Wetter verschlechtert. Auch von den portraitierten Seilschaften brachen drei die Tour vorzeitig ab. Doch alle waren sich darin einig: Sie werden es wieder versuchen.

Sebastian Höhn // September 2018